Kooperative Spiele

Viele sind es von klein auf gewohnt, dass bei Spielen der- oder diejenige gewinnt, der/die am besten, schnellsten oder erfolgreichsten ist. Dabei geht es um Leistung und Konkurrenz. In der Regel gibt es im Spiel dann nur einen Gewinner, der gegen alle anderen Mitspieler siegreich hervorgeht. Nun haben natürlich  auch Spiele, die nach dem Wettbewerbsprinzip funktionieren, eine wichtige entwicklungspsychologische Funktion. Sie helfen den Kindern zu lernen, sich selbst realistisch einzuschätzen und sich in einer Gruppe behaupten zu können. Aber im Hinblick auf notwendige Kompetenzen ist dies nur eine Seite der Medaille.

 

Kooperative Spiele verfolgen einen anderen Ansatz. Hier sind die Spieler keine Einzelkonkurrenten, denn es gewinnen entweder alle oder zumindest ein komplettes Spielteam als Ganzes. Bei dieser Art von Spielen führen Zusammenarbeit, gegenseitige Hilfestellung und gemeinsame Absprachen zum Ziel. Das Spielziel kann in der Regel nur gemeinsam erreicht werden, meist ist es eine Zeitvorgabe, in der die Aufgaben erledigt sein müssen oder eine bestimmte Anzahl von Würfelrunden bei Brett- und Gesellschaftsspielen. Kooperative Spiele fördern die Hilfsbereitschaft. Kinder, die sonst eher am Rand stehen, werden bei kooperativen Spielen integriert und schwächere Kinder können an Selbstbewusstsein gewinnen, weil sie erleben, dass auch sie eine wichtige Rolle im Team haben und damit zum Sieg beitragen können. Hat man gemeinsam eine Aufgabe erfolgreich gelöst, so stärkt die Freude über das Erreichte den Zusammenhalt der Gruppe.

 

Warum spielen so wichtig ist

 

Im Spiel erproben Kinder die Lösung von Aufgaben in einem geschützten Raum, das heißt durch die Möglichkeit des Scheiterns/Verlierens bleibt das Spiel spannend, aber ohne die ernsthaften Konsequenzen wie im realen Leben. Im Zusammenspiel mit den anderen Kindern werden besonders bei kooperativen Spielen soziale Fähigkeiten trainiert, wie etwa das Vermögen, sich in die anderen Mitspieler einzufühlen (In welcher Spielsituation befindet sich der Mitspieler/ die Mitspielerin? Kann ich ihm oder ihr Hilfestellung geben und wenn ja, wie?) oder wie man das gemeinsame Vorgehen am besten abspricht. Im Spiel lernen und üben die Kinder also auch ihr soziales Verhalten. Da spielen freiwillig geschieht und Spaß macht, prägt es sich besonders gut ein und beeinflusst mit der Wiederholung zunehmend das Verhalten im normalen Alltag.

 

Einfache kooperative Spiele

 

Es gibt einfache kooperative Spiele, die man mit nur wenig Aufwand und eventuell auch draußen spielen kann. Hier zwei Beispiele zur Veranschaulichung: Beim Tuchspiel wird nur ein großes Tuch (Bettlaken, Tischdecke oder ähnliches) und ein Ball oder ein Luftballon benötigt. Die Aufgabe ist für eine bestimmte Zeit den Ball oder den Ballon in der Mitte des Tuches zu halten, ohne dass er herunter fällt. Alle Kinder müssen zusammenarbeiten um das Tuch in der richtigen Position und nicht zu straff zu halten.

Mit einem Teppich oder einer Plane kann man „Der Wendeteppich“ spielen, ein kooperatives Spiel, bei dem alle Kinder auf dem Teppich stehen und die Unterseite nach oben drehen müssen, ohne dass einer von ihnen zwischendurch mit den Füßen den Boden berührt. Diese Aufgabe  können die Kinder nur lösen, wenn sie sich gegenseitig helfen und zusammenarbeiten. Um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen, kann vereinbart werden, dass nicht gesprochen werden darf.

Die genannten Beispiele sind vor allem für jüngere Kinder gedacht. Es gibt ganze Sammlungen mit kooperativen Spielen für viele Altersstufen und manchmal lassen sich auch bekannte Spiele durch eine kleine Abwandlung der Regeln in kooperative Spiele verwandeln.

 

Kooperative Brett- und Gesellschaftsspiele

 

Ältere Kinder und auch Jugendliche kann man vielleicht für kooperative Brett- oder Gesellschaftsspiele gewinnen. In den letzten Jahren sind eine ganze Reihe von interessanten und spannenden Brettspielen erschienen, die nur durch kooperatives Verhalten gewonnen werden können. Schaut man sich beispielsweise an, welche Spiele auf der Empfehlungs- und Nominierungsliste für das Spiel des Jahres 2021 stehen, wird man feststellen, dass sich einige kooperative Spiele darunter befinden, die auch für Kinder ab 8 beziehungsweise 10 Jahren geeignet sind.

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